
ANDREAS SCHILLER
Painting Exercises & Collect
Unter dem Titel Collect nimmt Andreas Schiller ein neues, auf vier Jahre angelegtes Bildprojekt in Angriff, das künstlerisches Schaffen und individuelle Sammelleidenschaft bereits im Malprozess zusammenführt. Schon mit dem vorangegangenen Zyklus Painting Exercises hat er das Konzept einer seriellen Malerei entwickelt und dabei das Mathematische und die klassische Bildästhetik vereint. Das hier entfaltete Grundprinzip, Zahlenkombinatorik als bildkompositorisches Mittel zu nutzen, wird Collect in erweiterter Perspektive fortsetzen.
Ausgangspunkt für Collect ist eine Auswahl einzelner Bildmotive - u.a. eine Mohnkapsel, ein Frosch, eine Schachfigur, eine Uhr und ähnliches. Jedes Jahr wird Schiller 16 neue Motive bereitstellen, also in vier Jahren insgesamt 64 Bildelemente. Die gemalten Einzelmotive im Grundformat 27,5 x 27,5 cm sind auf Leinwand in der Größe 55 x 55 cm zum Bild einer Vierergruppe zusammengestellt. In vier Jahren werden 16 Leinwandbilder zu einer großflächigen Installation im Format 2,20 x 2,20 m vereint, auf der alle 64 einzelnen Grundmotive baukastenartig geordnet sind. Ein wichtiger gestalterischer Aspekt ist der Wechsel von hellen und dunklen Bildhintergründen, so daß die Installation der Aufteilung des Schachbretts entspricht. Das malerische Motivangebot der entstehenden Installation ist zugleich Ausgangspunkt für einen komplexen Gestaltungsvorgang und Interaktionsprozess mit potenziellen Bildinteressenten. Dem Schachspiel ähnlich, können nämlich die 64 Motive zu neuen Bildvariationen zusammengestellt werden. Dabei entstehen immer wieder andere ästhetische Ordnungen und Bedeutungskonstellationen.
Im Gegensatz zu den Painting Exercises - BIG APPLE, LEMONS, THE BOTTLE - hat die Zahlenkombinatorik bei Collect nicht ausschließlich einen seriellen Effekt. Vielmehr ist sie ein Mittel, um den Maler und seine Sammler bereits im Prozess der Bildherstellung in einen Dialog zu bringen, denn jeder Käufer von Schillers Leinwandbildern hat die Möglichkeit, sowohl die Auswahl der vier Motive, als auch deren Anordnung auf der Bildfläche selbst zu bestimmen. Das traditionell vormundschaftliche Verhältnis von Künstler und Sammler wird somit zugunsten gemeinsamer Gestaltung aufgegeben, in deren Ergebnis eine persönliche Motivordnung, also ein individuelles Bild entsteht. Eine Katalogisierung einmal gewählter Arrangements verhindert weitgehend deren Wiederholungen. Durch die malerische Umsetzung repräsentiert jedes Bildobjekt nicht nur eine Sammlung nach individuellem Geschmack, sondern ist im übertragenen Sinn zugleich Portrait des jeweiligen Sammlers.