Walter Dambacher
(1911-1997)
Informelle Bilder
Biographie:
1911 in Stuttgart geboren. 1930-1933 Aufenthalt in Ungarn und Wien,
Beginn Studium der Philosophie. 1933-1939 Akademie der bildenden
Künste, Stuttgart.1937 erste gegenstandslose Arbeiten. 1938
Freundschaft mit Willi Baumeister. 1940-1945 Kriegsdienst, schwere
Verwundung in Rußland, Gefangenschaft. Während des Krieges
fast alle frühen Arbeiten durch Luftangriffe auf Stuttgart
zerstört. 1951 Gründung der Gruppe Südwest. 1962
Freundschaft mit Mark Tobey. Studienreisen vor und nach dem Krieg in
Frankreich, Italien, Österreich, Skandinavien und England. 1997 in
Stuttgart gestorben.
"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar" (Paul Klee)
WALTER DAMBACHER reflektiert in seinen Bildern die Realität nicht in der Form der Abbildung, sondern die Realität wird als durchdringender
Impuls der Form offenbar.
Obwohl er reale Bedeutung und symbolische Sinngebung ausläßt, gibt es bei ihm keine Bildstruktur, die
bedeutungslos ist. Die Form schließt die Bedeutung und den Inhalt mit ein.
Insbesondere über seine graphischen Arbeiten gewinnt man Zugang zu DAMBACHERs Bildern. DAMBACHERs gestalterische Mittel sind Bleistift,
Graphit, Farbstift, Filzschreiber und Feder. Den Bezugspunkt des Liniennetzes bilden zuweilen Collageteile.
Hier läßt sich wohl am besten seine stilistische Entwicklung nachvollziehen, indem er die malerische Fleck- und Helldunkelwirkung
früherer Arbeiten zum klargelegten und betont zeichnerischen Liniengerüst umkehrt.
Trotzdem lassen sich die Zeichnungen nicht als Vorstudien zu den Ölbildern des Künstlers verstehen. Diese entwickeln sich aus
der Intuition des Augenblicks – ohne Bildplan oder Vorzeichnung. Während die kleinformatigen "Tagebuch"- Blätter wechselnde
Empfindungen, Stimmungen und Vorstellungen ausdrücken, stellen die größeren Arbeiten auf sorgfältigste ausgeformte und
instrumentierte Bilder voll ästhetischer Reize dar.
In seinen Liniengeflechten mißtraut der Künstler der "weltlosen" Primitivgeometrie unter Verwendung von Rechenstab und
Zirkel und verläßt sich somit auf die Phantasie, das Augenmaß und die Empfindung.
Was die Farbe angeht, so ist diese kein Untersuchungsgegenstand für DAMBACHER, sondern ein Teil "des Prozesses, in den wir
hineinverwickelt sind". Für ihn ist es unwichtig, einen konstruierbaren, empirischen Raum zu entwerfen. Vielmehr interessiert
ihn die Realisierung eines Gefühlsraumes.
"Der Versenkung erwachsen, Versenkung fordernd, vollendet sich die Kunst WALTER DAMBACHERs in reiner Erscheinung, im Sein." (Prof. Dr.
Peter Beye, Kunsthistoriker)